Wie kommt es eigentlich, dass wir es nur müde belächeln, wenn Michael Jackson pathetisch davon singt, die Welt heilen und sie zu einem besseren Ort machen zu wollen, oder wenn die aktuelle Miss America sich naiv den Weltfrieden wünscht und dies womöglich noch durch ihre Schönheit zu bewerkstelligen glaubt? Wenn aber Designer und Architekten die gleichen Behauptungen aufstellen, wird dieser durchaus utopische Plan der Entwerfer und Macher für bare Münze genommen. Wenn Designer uns ihre Vision einer besseren Welt präsentieren und diese mit ihren konkreten Plänen und Modellen verbinden, dann scheint dieses Telos nahe genug an uns herangerückt zu sein, so dass wir uns dessen Verwirklichung tatsächlich vorstellen können. Die Gestalter dieses besseren Morgens, die uns diese strahlende Zukunft der Erfüllung all unserer Bedürfnisse und sogar derer, von denen wir noch gar nicht wussten, versprechen, reihen sich in eine lange Tradition der Moderne und ihres Fortschrittsglaubens ein. Denn diesen Weltverbesserungsanspruch rezitieren Gestalter schon seit den Anfängen des modernen Industriedesigns und werden auch nicht müde dies weiterhin – wenn auch in veränderter Form – zu tun. Zur aktuellen Fortführung dieses Rituals und der Utopien im Design fallen einem Beispiele aus dem Silicon Valley, dem sowohl geographisch als auch ideellen westlichsten Punkt der westlichen Welt ein. Hier vermischen sich Ansätze des Design Thinking mit einem neuen, digitalen Technologie-­Evangelismus, Strategien des Marketings sowie einer hoch explosiven Mixtur aus Politikverdrossenheit und Narzissmus. Schwimmende Städte außerhalb der Hoheitsgebiete der Vereinigten Staaten, welche die lästigen Seiten des Staatswesens umgehen sollen und in ihrer Form fast schon wieder einen Kreis zu Buckminster Fullers utopischen Raumschiff Erde schließen, sind nur die letzten Auswüchse des »Anything is possible« Mind Sets der Bewohner des Silizium Tals. Und auch an der Unsterblichkeit sowie dem Erreichen der Singularität wird weiterhin gearbeitet. Zu diesen aktuellen Ausprägungen möchte ich zu einem späteren Zeitpunkt zurückkehren und mich zunächst auf die Anfänge dieses Ur­Mythos der Weltverbesserung konzentrieren, welcher sich bereits beim Beginn und im Kern der modernen Designdisziplin finden lässt. Hierfür möchte ich ein besonderes Augenmerk auf die von Deutschland ausgehende Gestaltungsmoderne legen, die selbstverständlich ihre Vorläufer und Einflüsse hatte, die aber auf Grund des Exils vieler ihrer Hauptakteure während und nach dem zweiten Weltkrieg in besonderem Maße Einfluss auf ein internationales Verständnis von Design genommen hat. Vielleicht wäre dieser Umstand auch schon ein erstes Indiz für die besondere Persistenz des Weltverbesserungsanspruches im Design, eines Idealismus made in germany.

Zunächst muss man die Situiertheit der frühen Gestaltungsmoderne, die vom Werkbund über das Bauhaus in bestimmten historischen, zeitgeistigen und politischen Kontexten eingebettet war, berücksichtigen. Denn die Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende eine bewegte zu nennen, ist weit mehr als nur eine Untertreibung. Alte Weltordnungen waren gestürzt worden, die technischen Neuerungen der industriellen Revolution hatten das alltägliche Leben der Menschen tiefgreifend verändert und die erlebte Zeit schien sich immer schneller zu bewegen und wurde von der komplexer werdenden Gesellschaft immer mehr beschleunigt. Als Reaktion hierauf entwickelten sich (Reform­)Bewegungen in Kultur und Wissenschaft, die verblüffende Ähnlichkeit mit den kulturpessimistischen Reaktionen auf die heutige digitale Revolution aufweisen. Die Devise lautete sich auf den Menschen als holistischen und natürliches Wesen zurückzubesinnen, sich dem echten Leben jenseits von Technik und Apparatur zuzuwenden und die Tiefen der Psyche zu erkunden, die so schnell keine Maschine würde imitieren können und die immerhin das Alleinstellungsmerkmal der menschlichen Spezies war. Auch wenn es die Technik nicht ablehnte, diese sogar mit der Kunst zu verbinden suchte, hört man diese idealistische Suche nach Ganzheit bzw. „Einheit“ im Bau auch in Gropius Bauhaus Manifest widerhallen. Es ist die Suche nach einem vereinenden Zentrum, einer Grundlage für das gemeinsame Schaffen und auch nach einem Fundament für eine neue Gesellschaft. Walter Gropius erklärtes Ziel, alle gestalterischen Disziplinen zu einem »Einheitskunstwerk« – den architektonischen Bau – unter dem Begriff der Gestaltung zusammenzuführen lässt sich also ganz im Zeichen seiner Zeit als idealistisches und sozialistisches Projekt beschreiben. Sozialistisch deshalb, weil die Gestalter des Bauhauses die Bedürfnisse des Menschen selbst zum Maß aller Dinge erhoben, was eine Gleichheit dieser Bedürfnisse und der Menschen als deren Träger voraussetzte. Die Kunst sollte in den Alltag einfließen und dieser sollte ganz im Sinne der Aufklärung von rationalen und messbaren Parametern bestimmt und vom Ornament und Überflüssigem befreit sein. Georg Simmel erkennt diesen vereinheitlichenden Zusammenhang richtig in seiner Soziologischen Aesthetik: »Daß die Gesellschaft als Ganzes ein Kunstwerk werde, in dem jeder Theil einen erkennbaren Sinn vermöge seines Beitrags zum Ganzen erhält; daß anstelle der rhapsodischen Zufälligkeit […] eine einheitliche Direktive alle Produktion zweckmäßig bestimme« ist die Idee des Sozialismus, der sich »zweifellos an ästhetische Interessen« wende. Mit dem Anspruch auf Universalität der Bauhausgestaltung war folglich auch ein Anspruch auf Weltgestaltung und Weltverbesserung nach rationalen, ästhetischen, sozialen und selbstverständlich universalen Prinzipien verbunden. Spannend wird auch Simmels Beobachtung, »daß sozialistische Utopien […] ihre Idealstädte immer nach dem Prinzip der Symmetrie konstruieren: entweder in Kreisform oder in quadratischer Form…«, wenn man sich das berühmte Programm der Bauhaus­Lehre anschaut.

Vor meinem nun folgenden Versuch, die Bauhütte abzureißen, lohnt es sich, die Errungenschaften des Bauhauses hervorzuheben und noch einmal dessen Diversität zu betonen. Meine etwas brutale Lesart des Bauhauses fasst dieses natürlich verkürzt zusammen und hat mehr als nur ein paar blinde Flecken gegenüber der Vielseitigkeit der verschiedenen ideellen Bauhäuser, die durchaus parallel zueinander existierten. Es geht mir aber darum, den Fehler im Kern des Weltverbesserungsanspruches zu suchen, der sich in alle verschiedenen Ausprägungen forttragen kann, wenn er nicht reflektiert wird. Welche Ideen des Bauhauses könnte man aber von diesem Anspruch trennen und sie für zukünftige Gestaltung fruchtbar machen? Zunächst einmal wäre da der hohe ästhetische Eigenwert, der den alltäglichen Dingen beigemessen und durch die besondere Betrachtung verliehen wird. Vielmehr noch als ein Versuch die Kunst in den Alltag zu überführen waren die Ideen des Bauhauses die Bewahrung der Ideale, welche die Kunst durch ihre Autonomie hinter sich gelassen hatte. Besonders Schönheit bleibt weiterhin ein Merkmal von exzellenter Gestaltung – vor allem dann, wenn diese Qualität nicht normiert und festgeschrieben wird. Das klingt elitär und das Bauhaus war dies mit Sicherheit auch. Aber dieser hohe Anspruch an die Gestaltung des Alltages, der sich nicht mit Mittelmäßigem und Gewohntem zufriedengeben wollte, war im Bauhaus mit einer sozialistischen Grundhaltung gepaart. Er ist nicht zu verwechseln mit einem aristokratischen Snobismus, der bestimmte soziale Gruppen von vornherein ausschließt. Es war das sicherlich utopische Ideal einer Orientierung der gesamten Gesellschaft an der höchsten Qualität und nicht am Standard

des Mittelmaßes. An diesem Punkt wird es bereits schwer, die Suche nach den Qualitäten des Alltages und den erzieherischen Weltverbesserungsanspruch sauber voneinander zu trennen. Ich will dies auch gar nicht erst versuchen und mich genau den Fehlern dieses Anspruches zuwenden. Nur soviel sei noch gesagt: elitäre Ansprüche sind per se nichts Schlechtes. Viel schlimmer ist es, wenn man sich dem Diktat der Masse unterwirft und sämtliche Aspekte seines Produktes auf allgemeine Gefälligkeit hin ausrichtet.

Zurück zum Bauhaus und zur Weltverbesserung. Wie sich bereits angedeutet hat, ist es besonders schwer diesen utopischen Gedanken zu umgehen. Vielleicht benötigt Design auch ein gewisses Maß an utopischem Idealismus um durch diese Hoffnung den Sprung in die Wirklichkeit zu wagen. Drei Kritikpunkte möchte ich aber gegen die Ideale des Bauhauses in Stellung bringen, die den allgemeinen Weltverbesserungsanspruch und den besonderen des Bauhauses vielleicht nicht völlig entkräften, dafür aber relativieren sollen. Mein erster Einwand setzt genau an dem Punkt an, den die Gestaltung des Bauhauses zu ihrem Zentrum erklärt hatte: die Bedürfnisse der Menschen, an denen sich der Bau orientieren soll. Gemeint sind hier die Grundbedürfnisse der Menschen als rational erfassbare Größe und Grundlage des Alltages. Dieser Fokus auf das Wesentliche wurde vom Funktionalismus der HfG Ulm weitergetragen und auch heute findet sich noch häufig die Meinung, dass ein Mensch nur gute Nahrung und ein angemessenes Dach über dem Kopf bräuchte – the simple things in life – alles andere sei der Luxus einer Überflussgesellschaft, die den Blick für eben genau das Wesentliche verloren hätte. Dieser essentialistische Humanismus ist aber gar keiner. Er ist nur ein Pseudo­Humanismus, der den Menschen auf einige wenige Bedürfnisse reduzieren und festschreiben will, der Zufriedenheit und Glück als eine auf Grundlage dieser Bedürfnisse kalkulierbare Zustände definiert und somit genau das aus den Augen verliert, was er eigentlich fokussieren wollte: den Menschen. Weltverbesserung, die bei einem bestimmten Set von Grundbedürfnissen ansetzt, unterschätzt die Komplexität und Diversität der tatsächlichen Bedürfnisse, die Menschen haben können – oder eben auch nicht. Genauso unterschätzt sie die Komplexität der Befriedigung dieser Bedürfnisse und vereinheitlicht die Menschen eventuell gegen ihren Willen. So hat zwar jeder Mensch gleichermaßen ein Recht auf die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse wie Nahrung und Schlaf. Kein Mensch sollte aber dazu gezwungen werden, diese Bedürfnisse gleichermaßen bzw. auf die gleiche Art befriedigen zu müssen. Dies führt uns direkt weiter zu meinem nächsten Kritikpunkt. Der Universalitätsanspruch der Gestaltungsmoderne, der auch deren Anspruch auf das Recht der Weltverbesserung mitbestimmte, leugnete die eigene Partikularität und übersah seine eigenen Grenzen. Mögen die Produkte des Bauhauses auch noch so funktional und minimalistisch gewirkt haben – universelle Gültigkeit hatten sie zu keinem Zeitpunkt und der sogenannte „Internationale Stil“ war eigentlich nur ein westlicher. Man müsste wirklich arrogant sein und an die Überlegenheit der eigenen Kultur glauben, um behaupten zu können, dass ein Stahlfreischwinger im Zelt eines nomadischen Wüstenvolkes nicht völlig fehl am Platz wirke. Dieser kulturelle Universalismus, der sich aus einem menschlichen abzuleiten glaubte, erzeugt tatsächlich Gleichschaltung, Vereinheitlichung und nivelliert kulturelle Differenzen, die nicht etwa das Überflüssige des menschlichen Lebens wären, sondern gerade das, was es ausmacht. Wenn Design alle über einen Kamm scheren will und nach dem sagenumwobenen kleinsten gemeinsamen Nenner sucht, dann verliert es meiner Meinung nach jegliches Potential auf tatsächliche Veränderung von Welt – geschweige denn von Verbesserung.

Mein letzter Kritikpunkt am Weltverbesserungsanspruches der Gestaltungsmoderne und in konsequenter Folge eines Weltverbesserungsanspruches überhaupt, ist verbunden mit einer Relativierung der Motive, die diese Verbesserung antreiben. Somit gleicht dieser Kritikpunkt praktisch einer Unterstellung, weil ich diese Motive natürlich nicht unvermittelt einsehen kann. Gerade deswegen will ich diese ja nur relativieren und damit zur Debatte stellen, ob Weltverbesserung überhaupt ein erstrebenswertes Ziel für Designer sein kann. Zum einen wäre da die globale Perspektive gepaart mit dem vielbeschworenen Universalitätsanspruch. Beide beinhalten nämlich die Vorstellung, einen alles sehenden Einblick auf und über die gesamte Welt und Menschheit bekommen zu können. Um aber diesen Ausblick auf die Welt einnehmen und sie in ihrer Gänze erschauen zu können, müsste man sich außerhalb und über der Welt befinden. Das Wort „global“ impliziert ja schon die Vorstellung der Welt als eine Kugel. Um die Welt aber als Kugel sehen zu können, müsste man sich im Weltall und nicht immer schon mitten in ihr befinden. Am besten würde man sie noch abwiegend in der eigenen Hand halten und mit ihr spielen. Was ich damit allegorisch andeuten möchte ist, dass ein Anspruch auf Weltverbesserung ganz leicht in einen Wunsch nach Weltbeherrschung umgedeutet werden kann. Dieser Wunsch nach Beherrschung leitet auch zum anschließenden Gedanken über, der dem Bauhaus seine Rolle als avantgardistisches Versuchslabor aberkennen und die Funktion als Wegbereiter globaler Massenproduktion zuschreiben will.

Allgemein wird es so beschrieben, dass die industrielle Produktion ganz neue Arten von Gebrauchsgegenständen erzeugte, die nach einer neuen, minimalistischen und schmucklosen Ästhetik verlangten. Das Bauhaus war maßgeblicher Wegbereiter dieser neuen Ästhetik. Liest man das aber genau anders herum, so verlangte die industrielle Produktion nach einer minimalistischen Ästhetik, weil sie nur schmucklose Gegenstände erzeugen konnte und diese massenhaft verkaufen musste. Sieht man es so, ging es also weniger um die Ästhetik der reinen Form an sich, als vielmehr um die Rechtfertigung der industriellen, schematischen und standardisierten Produktion sowie der damit verbundenen Absatzsteigerung. Das Bauhaus wäre weniger Versuchslabor als vielmehr Werbeagentur, die das Make­Up für die Maschinen produzieren musste. Damit wäre der ideelle Anspruch auf Weltverbesserung mit einer ökonomischen Beherrschung des Weltmarktes verbunden und somit mehr als fraglich. Diese Sichtweise auf das Bauhaus verkennt natürlich viele Dinge, für die das Bauhaus einstand, und stimmt so vereinfacht dargestellt auch nicht. Behält man sie aber im Hinterkopf, erlaubt sie einen neuen Blick auf das Bauhaus und dessen Motive sowie auf den Hype, der in den letzten Jahren mit dem immer näher rückenden Jubiläum wiederaufgekommen ist.

Hundert Jahre, in denen mehr als nur eine Umsetzung der Weltverbesserungsideale scheiterte, sollten eigentlich eine ausreichende Zeitspanne sein, um diese großen Träume von Weltgestaltung zu relativieren. Doch selbst in Zeiten, in denen man jemand nur noch zynisch als „Weltverbesserer“ bezeichnen würde, findet man bei genauerer Betrachtung noch viele der Motive von damals fortwirken. Nicht so sehr als tatsächliche Handlungen, die eine wirkliche Verbesserung hervorbringen würden, als vielmehr als ein Narrativ zur Existenzrechtfertigung im Leben jedes Einzelnen aber insbesondere auch im öffentlichen Leben von Produkten und Marken finden sich viele Formen eines Weltverbesserungsanspruches wieder. Designer sprechen davon, Wicked Problems zu lösen oder bestehende Situationen in wünschenswerte umzuwandeln und Marken werden

um einen Entstehungsmythos herum entworfen, der sich um die geniale Eingebung ihres Gründers dreht. In irgendeiner Form ist es immer Teil ihrer sogenannten Brand Mission (Stichwort: Welteroberung), das Leben der Menschen aus einer inneren Überzeugung heraus besser zu machen. Dieses Credo wird besonders von den Firmen, die im Silicon Valley ansässig sind, auf die Spitze getrieben. Sie sind die Avantgarde der digitalen Revolution, die wie jede andere Revolution vor ihr das Ziel hatte, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Angeleitet wird diese Revolution durch einen technologiebasierten Fortschrittsglauben, dessen Geschichtsverständnis linear aufgebaut ist und keine Rückschritte mehr zulässt. Disruptive Technologien und der sie umgebende Hype unterbrechen diesen Verlauf nicht. Sie katapultieren ihn vielmehr auf die nächste Stufe und machen Vergangenes obsolet. Airbnb schafft langsam das Hotel ab und transformiert ganze Stadtviertel. Uber macht Taxiunternehmen überflüssig. Im größeren Maßstab sind es die ritualhaften Keynotes von Apple, die die frohe Botschaft eines neuen Produktes verkünden und von Millionen live verfolgt werden. Für sie war Steve Jobs ein Universalgenie, Visionäre und Designer in einem, der mit seinen Ideen die Entwicklung des Unternehmens hin zur wertvollsten Marke der Welt bestimmt und auf seinem Weg auch gerne mal Technologien als veraltet und überflüssig abschrieb – so geschehen beim Programm Flash von Adobe. Auch Facebooks Marc Zuckerberg ist diese Art von charismatischer Führer – nur vielleicht nicht ganz so beliebt. Das Motto des Unternehmens lautet: Hack. Dabei geht es darum, sich in ein fremdes System Zutritt zu verschaffen und es nach den eigenen Vorstellungen umzugestalten – und eben auch zu verbessern. Gleichzeitig betreibt Facebook auf seiner eigenen Plattform und dem gekauften Instagram strikte Zensur, was man ebenfalls als eine Art der Weltverbesserung verstehen könnte. Jedenfalls scheint Facebook klare Vorstellungen davon zu haben, wie diese beste aller Welten aussehen sollte. Und schließlich ist da noch Alphabet, die Holding der Google Inc. Auch sie ist davon überzeugt, die Welt durch Technologie zu einem besseren Ort für alle machen zu können. Das alte Unternehmensmotto galt noch als Warnung: „Don’t be evil“. Für die neugegründete Holding hat man es jetzt ins Positive gewendet: „Do the right thing“. Neben diesen Tech Giganten gibt es noch zahlreiche kleinere Unternehmer, Tech­-Visionäre, wie beispielsweise Martine Rothblatt, die das Terasem Movment gründete. Eine quasi-­religiöse Organisation, die die technologische Unsterblichkeit des Menschen durch Übertragung des Bewusstseins auf einen Roboter erreichen will. Transhumanismus nennt sich das. Oder der deutsche Billionär Peter Thiel, ein Mitbegründer von PayPal und einer der ersten Investoren von Facebook. Dieser ist davon überzeugt, dass Freiheit und Demokratie nicht miteinander vereinbar sind. In seiner Vorstellung wird die Zukunft der Welt von einer Technik­Elite bestimmt werden, einer neuen Avantgarde die das Leben für alle verbessern wird. Diese sollte dementsprechend gleich die Führung übernehmen, um lästige Diskussionen und den Wohlfahrtsstaat zu umgehen. Neben der Unsterblichkeitsforschung unterstützt er vor allem Seasteading, die an dem Konzept von schwimmenden autonomen Städten arbeiten.

All diesen Beispielen ist gemein, dass sie eine Vision verfolgen – sei es nun eine ganz persönliche oder in Form einer Brand Mission – welche die Welt revolutionieren und dementsprechend auch verbessern will. Auf all diese Ideen lässt sich auch meine Kritik am Weltverbesserungsanspruch der Gestaltungsmoderne anwenden. Diejenigen, die an vorderster Front stehen und glauben, das Ziel klar vor Augen zu haben, vergessen ihre eigene Partikularität und Begrenztheit. Scheinbar braucht echtes Weltdesign diese Vision oder zu mindestens ein Narrativ von ihr, um sich verbreiten zu können. Ohne den

Entstehungsmythos und die Vision einer besseren Welt wäre Apples Mac eben auch nur ein weiterer Computer. Aber ist auch eine bescheidenere Version der Weltverbesserung denkbar?

Bei den großen Marken dieser Welt ist dies nur schwer vorstellbar. Wenn sie nicht gerade eine utopische Vision verfolgen, so haben sie dieses Ziel einfach durch das Streben nach dem größtmöglichen Gewinn ersetzt und die Möglichkeit für tatsächliche Verbesserung ebenfalls verspielt. Denn genau hierin liegt der Knackpunkt. Erst hier kann Weltverbesserung beginnen. Wenn das Telos, das von vorneherein feststehende utopische Endziel, oder eben der maximale Gewinn, an dem sich alles ausrichten muss, gestrichen wird, kann erst damit begonnen werden wirklich normative Fragen zu stellen. Wenn man erst die Weltveränderung erprobt, die sowieso mit jedem neuen Produkt eintritt, und immer wieder neu, situationsbedingt sowie angemessen evaluiert werden muss, ob es sich hierbei auch um eine Verbesserung handelt, bleibt Raum für Fragen und Diskussionen und somit für einen Fortschritt, der nicht blind in eine einzige Richtung verlaufend ist. Man kann nicht von vorneherein die Vision einer utopischen Gesellschaft vor Augen haben, für die alles schon festgeschrieben steht und nur darauf wartet, umgesetzt zu werden. Wirkliche Weltverbesserung braucht keine Utopien im Großen. Diese und der ganze Hype um sie stehen der eigentlichen Verbesserung nur im weg. Design spielt bei dieser moderateren Art von Weltverbesserung eine wichtige Rolle. Denn gutes Design kann uns vor Augen führen, dass die Dinge anders sein könnten, als sie es gerade sind – und eben auch besser. Solange sich über das Endprodukt dieser Verbesserung streiten lässt, ist schon viel gewonnen. Eine Verbesserung ohne festes Ziel ist vielleicht eine bescheidenere Art der Verbesserung, aber sie bleibt offen für Korrekturen und Neuanfänge. Jedes ehrlich gemeinte Produkt kann dies erreichen. Und manch ein Utopist sollte sich vielleicht fragen, ob der Erhalt des Status Quo in der gegenwärtigen Lage der Welt nicht die eigentlich zu erreichende Utopie wäre.